Laudatio zur Vernissage „Italienische Orte“ von Hubert Lang

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen Italiens. Ein Land, das seit der Renaissance schon so viele Künstler inspiriert und verführt hat. Bis ins 19. Jahrhundert ist Italien Mittelpunkt der kulturellen Erneuerung und – für die bildende Kunst – der zentrale Studienort. In seinen Reisetagebüchern fasst Goethe diese „Sehnsucht nach Italien“ in Worte und macht sie damit zum Inbegriff der Bildungsreise schlechthin – zu einem Muss für die intellektuelle Elite.

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht

Auch auf Hubert  Lang übt dieses Land eine bis heute ungebrochene Anziehung aus. Allerdings geht seine Italiensehnsucht weniger auf einen intellektuellen Kontext zurück; sie entwickelt sich von klein auf aus direktem unmittelbarem Erleben. Auslöser ist ein Gemälde von Hans Purrmann, dem er im Hause des Vaters täglich begegnet. Jener Blick von der Villa Romana auf Florenz übt schon auf das Kind einen magisch-bezaubernden Reiz aus. Eine Verzauberung, die sich im Laufe der Jahre entwickelt und die wohl auch nicht ganz unbeeinflusst ist durch den Vater, dessen freundschaftlicher Beziehung zu Purrmann und der Art und Weise, wie das Bild in den langschen Besitz kam.

Der Vater, Hubert Nikolaus  Lang, ebenfalls Künstler – Bildhauer, um genau zu sein – hat selbst eine Zeit lang in Italien verbracht. Unter anderem als Stipendiat und Kunstpreisträger an der Villa Romana, dem Künstler- und Atelierhaus der deutschen Künstler, das damals unter der Leitung Hans Purrmanns stand. Zwischen diesem und Lang sen. entwickelt sich schnell eine väterlich-freundschaftliche Beziehung, die in der Überlassung jenes Landschaftsbildes ihren Ausdruck findet.

Gemeinsam mit dem Vater unternimmt der damals 14jährige Lang seine erste Reise nach Italien, besucht dessen früheren Wirkungsstätten, die Villa Massimo in Rom und die Villa Romana in Florenz, und ist vor allem durch das Toskanische stark beeindruckt. Nach dieser Reise ist für den Jungen klar, dass auch er sich irgendwann selbst auf der Leinwand ausdrücken muss.

 

Doch zunächst ist – natürlich – das Bildhauerische sehr viel näher. Anfangs spielerisch in der Nachahmung, später unter geschickter Anleitung des Vaters, entstehen erste Tierskulpturen. Aber auch in der formalen Ausbildung, die Lang Anfang der 60er Jahre beginnt, spiegelt sich der väterliche Einfluss. So beginnt auch der Sohn an der staatlichen Schnitzschule in Oberammergau, um das Holzbildhauerhandwerk zu erlernen. Wo auch sonst sollte ein für die Kunst Berufener, der im Umfeld der Passionsspiele geboren und aufgewachsen ist, seine Ausbildung denn auch beginnen?

Und es ist in der Tat kein schlechter Ort, um sich bildhauerisch zu bilden – wenn Sie mir dieses kleine Wortspiel erlauben. Hier an der „Schnitzschule“ erlernt Lang nicht nur das rein Handwerkliche, sondern wird mit allen bildhauerischen Techniken und Materialien vertraut gemacht. Daneben wird sein Interesse für das Pädagogische geweckt. Einer der Lehrer beeindruckt ihn mit seiner Leidenschaft für das Unterrichten so sehr, dass Lang im Anschluss an die Gesellenprüfung in Oberammergau noch eine zweijährige Ausbildung zum Fachlehrer für Zeichnen und Werken anhängt.

Danach folgt er wieder den väterlichen Spuren und geht an die Akademie der bildenden Künste nach München. Als Meisterschüler in der Bildhauerei bei Georg Brenninger beendet er seine Münchner Zeit und wechselt an die Stuttgarter Kunstakademie, um Malerei bei Alfred Hrdlicka zu studieren.

 

Direkt im Anschluss an das Studium gibt Lang dem unstillbaren Drang nach Italien nach und reist für ein ausgiebiges Naturstudium in die Toskana. Dass er sich gerade diesen Landstrich aussucht, hat verschiedene Gründe – neben emotionalen sind es vor allem pragmatische. Hier im Dreieck zwischen Florenz, Siena und Arezzo liegen die Entwicklungsschwerpunkte der frühen italienischen Malerei. Zudem ist die Region gegen Ende der 70er Jahre touristisch noch weitgehend unberührt. Und gerade das urtümliche, bäuerliche Land mit seinen über die Jahrhunderte hinweg gewachsenen Agrarstrukturen hat es Lang angetan. Hierhin kehrt er in der Folgezeit immer wieder zurück und hier in der Toskana findet er zu seinem ganz persönlichen Stil.

 

Inzwischen ist Hubert Lang längst kein Unbekannter mehr im Kulturbetrieb. Sowohl in Deutschland wie auch in der Schweiz hat er sich einen treuen Sammlerkreis geschaffen. Zu den öffentlichen Ankäufern seiner Werke zählen unter anderem die Städtische Galerie in Rosenheim, das Oberammergau Museum, das Bayrische Staatsministerium der Justiz, und die Philip Morris AG in München.

Diverse Galerien haben sein Werk quer durch die Republik bekannt gemacht; repräsentativ seien hier nur Städte wie Wuppertal, Köln, Stuttgart, Augsburg oder München genannt. Auch die Liste seiner Ausstellungen ist lang – aber seien Sie unbesorgt, uns allen will ich eine ermüdende Auflistung von Namen und Daten ersparen. Immerhin soll am Ende meiner Rede noch genügend Aufmerksamkeit für die Werke des Künstlers bleiben. Daher will ich mich auf einige wenige, wichtige Stationen beschränken.

In der großen Kunstausstellung, die jedes Jahr im Haus der Kunst in München stattfindet, war Lang von 1967 bis 2000 allein 14-mal vertreten – seit 1992 ist er jährlich einmal sowohl im Neuen Stadtmuseum in Landsberg am Lech als auch beim Künstlerbund Garmisch-Partenkirchen zu sehen. Zu den Museen, die Werke von Lang im Laufe der Jahre präsentiert haben, gehören nicht nur solche aus Deutschland – auch einige internationale zählen dazu wie etwa das Musee Bossuet Meaux bei Paris oder das Museo del Paesaggio in Castelnuovo Berardenga bei Siena.

Das Portät von Alfred Hitchcock, 1982 geschaffen, gehört Heute zur Sammlung des Museums Beelden aan Zee in Scheveningen (Holand)

Die für ihn selbst bisher wichtigste Ausstellung fand 2013 im Schloss Rheinsberg in Brandenburg statt. Hier präsentierte er als Gast des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums die bislang umfangreichste Sammlung seiner italienischen Arbeiten.

 

Doch nun genug der Worte – lassen wir Langs Werke für sich selbst sprechen. Hoffentlich vermitteln Ihnen diese Arbeiten ebenso starke Glücksgefühle, wie Sie der Künstler selbst empfindet, wenn er – ich zitiere: im toskanischen Licht auf der ockrigen Erde eines Olivenhains im Schatten der silbrig hellen Bäume vor dem Motiv steht.

Zu dieser Exkursion in die „Langsche“ Welt der Toskana sollen Sie natürlich nicht ganz ohne Stärkung und Wegzehrung aufbrechen. Daher haben wir uns erlaubt, für Sie ein kleines Apéro Riche zu richten, dass – wen sollte es wundern – natürlich auch ganz unter dem Motto Italien steht.

Ich wünsche Ihnen nun einen guten Appetit und einen inspirierenden Nachmittag mit den Bildern und Skulpturen Hubert Langs.

Rainer Brenner

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